Abmahnungen wegen Google Fonts: So sollten Websitebetreiber vorgehen

Zahlreiche Websitebetreiber erhalten aktuell Abmahnungen aufgrund der dynamischen Einbindung von Google Fonts. Wir zeigen Ihnen, wie Sie sich davor schützen und was Sie tun sollten, wenn Sie eine solche Abmahnung erhalten.

Google Fonts

Was ist Google Fonts?

Bei Google Fonts handelt es sich um kostenfreie Schriftarten von Google, die Betreiber für ihre Websites nutzen können. Sie enthält über 1400 Schriftarten, die in Websites eingebunden werden können, ohne diese auf dem eigenen Server hochladen zu müssen.

Urteil des LG München: Darum erhalten Websitebetreiber aktuell Abmahnungen

Seit kurzem erhalten Websitebetreiber Abmahnungen, mit dem Vorwurf eines Datenschutzverstoßes wegen der dynamischen Einbindung von Google Fonts und werden neben der Unterlassung auch zur Schadensersatzzahlung aufgefordert.

Die Einbindung von Google Fonts in eine Website ist nicht per se rechtswidrig, es kommt hierbei auf die Art der Einbindung an. Wer die Schriften herunterlädt und fest in die Website einbindet, eine sog. statische Einbindung, verhält sich datenschutzkonform. Viele Betreiber nutzen jedoch die dynamische Einbindung von Google Fonts. Hier werden die Schriften in dem Moment, in dem ein Nutzer die Seite aufruft, von einem Google Server nachgeladen. Diese Server stehen in den USA. Beim Aufrufen der Website werden die IP-Adressen der Nutzer übermittelt. Gemäß DSGVO zählt die IP-Adresse zu den personenbezogenen Daten, welche nur unter Einwilligung übermittelt werden dürfen.

So hat auch das Landgericht München in seinem Urteil zu Beginn diesen Jahres entschieden: Die unerlaubte Weitergabe der dynamischen IP-Adresse des Klägers durch die Beklagte an Google stellt eine Verletzung des allgemeinen Persönlichkeitsrechtes in Form des informationellen Selbstbestimmungsrechts nach § 823 Abs. 1 BGB dar.

Für den Verarbeitungsvorgang bei der dynamischen Einbindung von Google Fonts ist somit die Zustimmung der Nutzer nötig. Ein berechtigtes Interesse, durch welches der Eingriff in das allgemeine Persönlichkeitsrecht gerechtfertigt werden kann, liegt laut dem LG München nicht vor. Betreiber haben die Möglichkeit der statischen Einbindung, wobei keine Übermittlung der Daten stattfindet.

So gehen Sie vor, wenn Sie eine Abmahnung erhalten

Aktuell machen sich Privatpersonen das genannte Urteil und die damit verbundene Problemstellung zu Nutze, um Schadensersatzforderungen an Websitebetreiber zu stellen. Dabei suchen sie gezielt nach Websites, die die dynamische Einbindung von Google Fonts nutzen und berufen sich auf das genannte Urteil. In dem Schreiben fordern die Abmahner Schadensersatz und die Entfernung der dynamischen Einbindung, andernfalls drohen sie mit einer Klage.

Sollten Sie eine solche Abmahnung erhalten haben, gehen Sie wie folgt vor:

  1. Stellen Sie sich zuerst die Frage, ob Sie Google Fonts überhaupt nutzen. Ist dies nicht der Fall, gibt es keinen Grund zur Sorge.
  2. Haben Sie Google Fonts statisch in Ihre Website eingebunden? Diese Einbindung ist datenschutzrechtlich unproblematisch, somit ist der Vorwurf unbegründet.
  3. Ist Google Fonts dynamisch in Ihre Website eingebunden? Wenn ja, kann das Schreiben durchaus berechtigt sein. In diesem Fall sollten Sie das Schreiben von einem Fachanwalt prüfen lassen und bis dahin auf keine Forderungen eingehen.

Auch wenn Sie bisher keine Abmahnung erhalten haben: Sollten Sie Google Fonts dynamisch in Ihre Website eingebunden haben empfehlen wir in jedem Fall eine Umstellung auf eine statische Einbindung oder eine andere datenschutzkonforme Lösung.

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