Musik hören beim Radfahren – ist das in Deutschland erlaubt?

Beim Radfahren Kopfhörer tragen – darf man das überhaupt?
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Das Fahrradfahren bereitet vielen Menschen vor allem bei schönem Wetter große Freude. Einige Radfahrer genießen dabei die angenehme Stille der Natur, andere die lebhaften Geräusche der Großstadt. Wieder andere Menschen fahren am liebsten mit musikalischer Begleitung aus dem Smartphone. Nur wenige denken dabei darüber nach, ob dieses Verhalten in Deutschland überhaupt erlaubt ist.

Zwischen Autofahrern und Radfahrern kommt es in Deutschland regelmäßig zu Streitgesprächen. Beide Seiten werfen sich gegenseitig vor, rücksichtslos zu fahren und die Verkehrsregeln zu missachten. Radfahrern wird darüber hinaus vorgeworfen, mit Kopfhörern viel zu laute Musik zu hören und dadurch schwere Fahrfehler zu begehen. Viele Menschen sind deshalb davon überzeugt, dass das Musikhören auf dem Fahrrad in Deutschland verboten sein muss. In diesem Ratgeber erfahren Sie, ob für dieses Verhalten tatsächlich ein Bußgeld erhoben wird.

Musik hören beim Fahrradfahren – so sieht die Rechtslage aus

Ebenso wie bei jeder anderen Tätigkeit hat das Hören von Songs auch beim Radfahren einen großen Einfluss auf das Verhalten. Während ein aufregender Rhythmus zu rasantem Fahren animiert, kann ein ruhiges Lied das Tempo stark drosseln. Dennoch ist es entgegen der Erwartung vieler Menschen in Deutschland nicht illegal, beim Radfahren Musik zu hören. Radfahrer müssen allerdings dafür sorgen, dass sie eine Lautstärke wählen, die weder ihre eigene Verkehrssicherheit noch die der Verkehrsteilnehmer gefährdet.
Diese allgemeine Regelung wurde vor über 25 Jahren im Rahmen eines Gerichtsverfahrens vom Kölner Oberlandesgericht festgelegt. Obwohl sich das damalige Urteil auf den Walkman bezog, kann es ebenfalls auf die modernen Geräte angewendet werden. Das Anhören von Liedern mit einem MP3-Player oder Smartphone beim Radfahren ist daher grundsätzlich gestattet. Den Einwänden von Autofahrern muss dabei entgegengehalten werden, dass diese auch mit musikalischer Begleitung fahren dürfen und von dieser Freiheit häufig Gebrauch machen. Die Grenze der Legalität wird in beiden Fällen erst dann überschritten, wenn aufgrund der Lautstärke die Sirene eines Krankenwagens nicht mehr gehört werden kann.

Rechtliche Konsequenzen des Musikhörens

Die Lage sieht jedoch anders aus, wenn es beim Musikhören auf dem Fahrrad zu einem Unfall kommt. Wenn Radfahrer, die mit ihren Kopfhörern lauten Songs lauschen, in einen Unfall verwickelt werden, können sämtliche Ansprüche auf Schadensersatz und Schmerzensgeld verfallen. Die Gesetzgebung sieht vor, dass von einem Auto stets eine generelle Betriebsgefahr ausgeht. Aus diesem Grund tragen Autofahrer bei Unfällen stets eine Mitschuld. Entsteht der Unfall jedoch, weil der Radfahrer aufgrund des Musikhörens einen schweren Verstoß gegen die Straßenverkehrsordnung begeht, so kann ihm die volle Schuld zugesprochen werden. Doch auch bei einer Mitschuld des Autofahrers am Unfall besteht die Möglichkeit, dass sämtliche Ansprüche auf Schmerzensgeld und Schadensersatz seitens des Radfahrers vollständig verfallen. Das Musikhören ist dadurch nicht generell verboten, sollte aber dennoch in einer angemessenen Lautstärke geschehen.

Thema: Zweiräder
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