Rad fahren ohne Helm – Wer trägt die Konsequenzen bei einem Unfall?

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Rad fahren ist schon lange kein reines Freizeitvergnügen mehr, das man am Wochenende auf wenig frequentierten Feldwegen ausübt. Rad gefahren wird heute allerorts, auch und besonders in Großstädten mit hohem Verkehrsaufkommen. Dass das Gefährdungspotential durch motorisierte Verkehrsteilnehmer gerade im Stadtbereich stark angestiegen ist, ist den meisten Radfahrern bewusst. Viele tragen nun reflektierende Kleidung, um besser sichtbar zu sein, und setzen einen Fahrradhelm auf. In Deutschland gibt es bis heute jedoch keine gesetzliche Pflicht, einen Helm zu tragen. Welche Folgen im Falle eines Unfalls entstehen können und wer die Kosten zu tragen hat, ist daher nicht eindeutig geregelt.

Ist das Tragen eines Fahrradhelms überhaupt sinnvoll?

Dazu gibt es auch in Fachkreisen keine einheitliche Meinung. Klar ist, dass die Bandbreite möglicher Verletzungen ohne Helm sehr groß ist. Schon bei geringen Geschwindigkeiten sind Abschürfungen oder Platzwunden eher die Regel als die Ausnahme. Je höher die Geschwindigkeit und je stärker der Aufprall, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit für eine schwere Kopfverletzung. Ein Fahrradhelm bietet unbestritten einen gewissen Schutz vor Platzwunden und Gehirnerschütterungen, die im schlimmsten Fall auch tödlich enden können.

Rechtfertigt diese Tatsache, den Fahrradhelm verpflichtend vorzuschreiben? Es finden sich auch Argumente, die gegen eine Helmpflicht sprechen: Gegner befürchten, dass diese zu geringerer Aufmerksamkeit anderer Verkehrsteilnehmer führen könnte. Radfahrer könnten sich auch dazu verleiten lassen, schneller und unaufmerksamer unterwegs zu sein, weil der Helm ein trügerisches Gefühl von Unverletzbarkeit vermittelt.

Befürworter verweisen dagegen auf einen deutlichen Rückgang an schweren Kopfverletzungen in Ländern, die die allgemeine Helmpflicht eingeführt haben. Dies lässt sich größtenteils auch mit Zahlen, die Versicherungen erhoben haben, belegen. Dagegen steht die Vermutung, dass der Grund für diesen Rückgang ein durch die Helmpflicht insgesamt gesunkener Anteil an Radfahrern sein könnte.

Fahrradunfall ohne Helm – zahlt die Versicherung?

Eine allgemein gültige Regelung gibt es hier nicht. Im Einzellfall wird es davon abhängen, ob dem unfallbeteiligten Radfahrer durch den Helmverzicht eine Teilschuld am Unfall angelastet werden kann. Dabei kommt es immer auf die genauen Umstände des Unfalls an.

Es gibt Situationen, in denen das Tragen eines Helms Vorschrift ist: Polizisten im Dienst sind zum Beispiel dazu verpflichtet. Auch bei manchen Radrennen schreibt der Veranstalter den Helm vor. Wird dies nicht beachtet, ist klar von einer Teilschuld des geschädigten Radfahrers im Fall eines Unfalls auszugehen.

Anders sieht es aus, wenn keine besonderen Vorschriften bestanden haben. Versicherungen wenden dann bestimmte Parameter an, um festzustellen, ob eine Teilschuld des unfallbeteiligten Radfahrers vorliegt. Dabei wird unter anderem mit einbezogen:

  • ob es sich um eine Freizeitfahrt oder den Weg von oder zur Arbeit handelte
  • ob das Tragen eines Helms in der Situation zumutbar war
  • ob die Fahrt im Ortsgebiet oder außerhalb stattgefunden hat
  • ob der Unfall auf der Straße oder am Radweg passiert ist
  • wie hoch die Geschwindigkeit der Beteiligten war

Ob die Versicherung bei einen Fahrradunfall ohne Helm bezahlt, hängt also von den individuellen Umständen ab. Eine Teilschuld und damit ein geringerer oder fehlender Kostenersatz ist möglich. Daraus lässt sich folgern: Wer auf der sicheren Seite sein will, setzt den Helm besser auf, statt ihn an den Rucksack zu klemmen!

Thema: Zweiräder
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