Rechtliche Tipps zum Neuwagenkauf

Şölen Izmirli, Rechtsanwältin und Fachanwältin für Verkehrsrecht aus Hamburg, zeigt Ihnen auf was Sie achten sollten.

Neuwagenkauf, das sollten Sie beachten

Der Neuwagenkauf ist im Gegensatz zum Kauf eines Gebrauchtwagens meistens mit höheren Kosten verbunden. Weil die Kosten für einen Neuwagen deshalb oft nicht ganz unerheblich sind, sollte ein Neuwagenkauf – auch rechtlich – gut vorbereitet sein.

Wie man bei der Wahl eines Neuwagens vorgehen und was man bei einem Neuwagenkauf beachten sollte, erklärt Ihnen Şölen Izmirli, Rechtsanwältin und Fachanwältin für Verkehrsrecht aus Hamburg.

1. Allgemeine Überlegungen zur Auswahl eines Neuwagens

Bevor Sie mit Ihrer Suche nach einem neuen Fahrzeug beginnen, sollten Sie sich über ganz wesentliche Dinge Gedanken machen.

  • Finanzieller Rahmen und Bezahlung: Wie groß ist Ihr Budget? Barzahlung, Finanzierung oder Leasing?
  • Grundsätzliche Auswahl: Was für ein Autotyp wird gesucht? Welche Marke? Welche Größe? Welches Modell? Welche Farbe?
  • Antrieb: Benziner, Diesel, Hybrid, Elektroantrieb oder Gas?
  • Ausstattung: Wie viel Stauraum benötigen Sie? Passen Kindersitze in das Fahrzeug? Stoff- oder Lederbezug? Airbags? Navi? Klimaanlage? Einparkhilfe? Sitzheizung? etc.

2. Probefahrt

Wenn ein Fahrzeug für Sie in die nähere Auswahl gekommen ist, sollten Sie unbedingt eine Probefahrt mit dem „Traumauto“ machen. Eine Probefahrt wird Ihnen Ihr Autohaus in der Regel vor Ort ermöglichen. Sie sollten am besten vorher telefonisch einen Termin zur Probefahrt vereinbaren, damit das von Ihnen gewünschte Fahrzeug auch tatsächlich verfügbar ist.

Tipp! Vergessen Sie nicht, Ihren Personalausweis und Führerschein mit zur Probefahrt zu nehmen!

Lassen Sie sich vor der Probefahrt erklären, wie die rechtlichen Modalitäten aussehen! Zwar sind die Fahrzeuge eines Autohauses in der Regel voll versichert. Häufig müssen Sie aber vor der Probefahrt ein Schriftstück unterschreiben und erklären, dass Sie bei einem selbst verschuldeten Unfall eine Selbstbeteiligung zu tragen haben und dass bei grober Fahrlässigkeit kein Versicherungsschutz besteht.

Tipp! Um keine bösen Überraschungen zu erleben, fragen Sie unbedingt beim Verkäufer nach und lesen Sie alle Schriftstücke genau, die Sie unterzeichnen sollen. Wenn Sie Fragen haben: Stellen Sie diese Fragen vor der Unterschrift, haben Sie keine Hemmungen!

3. Vertragsverhandlungen

Sobald Sie sich für ein Fahrzeug entschieden haben, stellt sich die Frage, wo und bei wem Sie dieses kostengünstig kaufen können. Eine Suche im Internet zeigt dann schnell, dass der Preis für ein und dasselbe Fahrzeug erheblich variieren kann. Holen Sie verschiedene Angebote ein und vergleichen Sie. Sprechen Sie Händler an und handeln Sie die von Ihnen gewünschte Ausstattung aus.

Wenn Sie das Fahrzeug bar bezahlen, erhalten Sie regelmäßig Rabatt. Beachten Sie auch: Sie sind auch dann ein „Bar-Bezahler“, wenn Sie das Fahrzeug von Ihrer Bank finanzieren lassen, aber mit Bargeld bezahlen! Auch bei einer Finanzierung durch die Fahrzeugherstellerbank gibt es häufig gute Konditionen. Fragen und verhandeln lohnt sich also auf jeden Fall.

Tipp! Vereinbaren Sie die Inzahlungnahme Ihres alten Fahrzeugs! Bei Inzahlungnahme Ihres alten Fahrzeugs ist der Händler damit einverstanden, dass Sie einen Teil des Neuwagenpreises dadurch begleichen, dass Sie ihm Ihren „Gebrauchten“ überlassen. Oft bieten die Händler sehr vorteilhafte Preise für die Inzahlungnahme Ihres Fahrzeugs an.

4. Neuwagenkauf auf Kredit oder Leasing

Wenn Sie sich beim Kauf Ihres Privatwagens für eine Finanzierung oder Leasing entschieden haben, können Sie den Kredit- oder Leasingantrag innerhalb von zwei Wochen schriftlich ohne Nennung von Gründen widerrufen.

Durch den Widerruf wird auch die Neuwagenbestellung hinfällig, wenn auch der Kredit-/Leasingvertrag beim Händler abgeschlossen wurde oder der Händler die Finanzierung vermittelt hat. Die Widerrufsfrist beginnt nach Unterzeichnung und Aushändigung einer ausdrücklichen schriftlichen Belehrung über das Widerrufsrecht. Geschieht das nicht, verlängert sich Ihr Widerrufsrecht erheblich!

Tipp! Sie sollten das Widerrufsschreiben innerhalb der Zwei-Wochen-Frist per Einschreiben mit Rückschein absenden, damit Sie einen Nachweis über den erklärten Widerruf haben.

5. Liefertermin vereinbaren

Vereinbaren Sie mit dem Verkäufer unbedingt einen Liefertermin. Auf einen verbindlichen Termin wird sich in der Regel kein Händler einlassen, jedoch auf einen unverbindlichen Liefertermin. Ein unverbindlicher Termin kann vom Händler ohne rechtliche Auswirkungen bis zu sechs Wochen überschritten werden.Überschreitet der Händler den unverbindlichen Liefertermin aber um mehr als sechs Wochen, so stehen Ihnen weitere Rechte zu. Fordern Sie den Verkäufer unbedingt auf, zu liefern. Mit dem Zugang der Aufforderung kommt der Verkäufer dann in Verzug.

Achtung! Ein Verzugsschaden ist vom Verkäufer nur zu ersetzen, wenn er den Verzug selbst zu vertreten hat.

Setzen Sie dem Verkäufer außerdem eine angemessene Nachfrist von 14 Tagen zur Lieferung, so können Sie vom Vertrag zurücktreten und/oder Schadenersatz statt der Leistung verlangen, wenn der Wagen auch nicht innerhalb dieser Frist geliefert wird und den Verkäufer ein Verschulden trifft.

Beispielsweise können Sie formulieren: „Hiermit fordere ich Sie auf, Ihre Pflicht aus dem Vertrag vom XY.XY.XYXY zu erfüllen und mein bestelltes Fahrzeug ‚Marke‘, ‚Modell‘ bis zum XY.XY.XYXY zu liefern.“

Tipp! Verlangen Sie vom Händler beim Vertragsschluss die Zusage, dass er Ihnen bei Nichteinhaltung des vereinbarten Liefertermins kostenfrei einen Ersatzwagen zur Verfügung stellt, falls Sie auf eine termingerechte Lieferung dringend angewiesen sind. Ohne eine solche Zusage können Sie auf Kosten des Händlers einen Mietwagen nur dann nehmen, wenn der Händler den Lieferverzug verschuldet hat.

6. Fahrzeugübernahme

Wenn Sie dann Ihr Wunschfahrzeug abholen, sollten Sie bei der Fahrzeugübernahme Folgendes beachten:

  • Sind alle Unterlagen „an Bord“? (Begleitpapiere, Betriebsanleitung, Servicebuch, Zulassungspapiere etc.)
  • Sind alle sicherheitsrelevanten Gegenstände übergeben? Warndreieck? Warnweste? Verbandskasten? Not- bzw. Reserverad?
  • Sind Kratzer im Lack oder an der Stoßstange? Kratzer in den Kunststoffteilchen? Bläschen im Lack? Sind die Scheiben beschädigt? Sind die Reifen in Ordnung? Alle gewünschten Extras vorhanden? Funktionieren die Scheinwerfer und Blinker? Schließen Motorhaube, Türen, Kofferraumklappe richtig?

Entspricht das Fahrzeug nicht Ihrer Bestellung und/oder ist mangelhaft, so können Sie die Abnahme verweigern. Da der Verkäufer seiner Vertragsverpflichtung dann nicht nachgekommen ist, müssen Sie auch den Kaufpreis nicht zahlen.

Liegen behebbare Mängel vor, so sollten Sie nun den Händler/Verkäufer auffordern, innerhalb einer Frist die Fehler zu beseitigen. Beseitigt er Mängel nicht innerhalb dieser Frist, können Sie vom Kaufvertrag zurücktreten.

Zurücktreten können Sie auch, wenn der Mangel nicht behoben werden kann.

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