Passenden Anwalt finden: So gehen Sie Schritt für Schritt vor

Finden Sie den passenden Anwalt Schritt für Schritt: Tipps zur Suche, Spezialisierung, Kosten und Beratungshilfe im Überblick.

Ansicht von Armen und Händen zweier Männer, die sich an einem Tisch gegenüber sitzen. Der eine ist Anwalt, der andere möchte den passenden Anwalt finden. Dazwischen ein Richterhammer, eine Goldwaage, ein Laptop, Bücher und Dokumente.

Wenige Menschen haben in ihrem Leben viel mit Anwälten zu tun und sind deshalb planlos, wenn es zum Rechtsstreit kommt. Wenn Sie einen passenden Anwalt finden wollen, müssen Sie sich grundsätzlich selbst darum kümmern. Wir geben Ihnen praktische Tipps, wie Sie strukturiert vorgehen können.

Inhaltsverzeichnis

  1. Wie Sie den passenden Anwalt finden
     1.1 Vorbereitung vor der Anwaltssuche
     1.2 5 Wege, um einen passenden Anwalt zu finden
     1.3 Erste Kontaktaufnahme
     1.4 Den richtigen Fachanwalt wählen
  2. Woran erkennt man einen guten Anwalt?
     2.1 Fachanwalt oder allgemeiner Rechtsanwalt?
  3. Muss der Anwalt vor Ort sein?
  4. Mit welchen Anwaltskosten Sie rechnen können
  5. Wenn Sie sich keinen Anwalt leisten können: Beratungshilfe erklärt
     5.1 Voraussetzungen und Antragstellung
     5.2 Leistungen
     5.3 Zusätzliche Kosten
  6. Was zahlt die Rechtsschutzversicherung?
  7. Was tun, wenn man unzufrieden ist?
  8. FAQ – Häufig gestellte Fragen

Wie Sie den passenden Anwalt finden

Vorbereitung vor der Anwaltssuche

Bevor Sie überhaupt einen Anwalt kontaktieren, sollten Sie prüfen, ob Sie Anspruch auf sogenannte Beratungshilfe haben. Es ist sinnvoll, diesen Antrag vor der eigentlichen Anwaltssuche zu stellen, da nicht jede Kanzlei Sie dabei unterstützt. Außerdem empfiehlt es sich, sich gut auf das erste Gespräch vorzubereiten – also Unterlagen zu sortieren und konkrete Fragen zu notieren.

5 Wege, um einen passenden Anwalt zu finden

  1. Freunde und Bekannte fragen: Ein häufiger erster Schritt ist es, sich im Freundes- oder Bekanntenkreis nach Empfehlungen umzuhören. Solche persönlichen Erfahrungen können hilfreich sein, allerdings sollten Sie dabei immer bedenken, dass dieser Anwalt nicht automatisch auch der richtige für Ihren konkreten Fall ist. Entscheidend ist vor allem, ob der Anwalt auf das passende Rechtsgebiet spezialisiert ist.
  2. Online Suche, zum Beispiel direkt bei Lexika.de im Anwaltsverzeichnis. Am besten suchen Sie direkt nach einem Fachanwalt für das Rechtsgebiet, für das Sie Rechtshilfe benötigen. In unserem Verzeichnis bei Lexika.de können Sie nach Rechtsgebiet, Name und Postleitzahl filtern.
  3. Vorsicht bei der Google-Suche: Bei Google sollten Sie unbedingt die Trefferliste durchscrollen und nicht immer direkt auf die ersten Suchergebnisse klicken, da diese meist geschaltete Werbeanzeigen sind.
  4. Bei einer Anwaltskammer oder einem -verband suchen. Das geht ebenfalls online.
  5. Online Bewertungen von Anwälten lesen, kritisch hinterfragen.
5 Wege zum AnwaltVorteilNachteil
Empfehlungen aus dem FreundeskreisPersönliche ErfahrungenMeist subjektiv
Lexika.deGroße Auswahl, Filter möglichNicht alle Rechtsgebiete
Google-SucheSchnell und einfachViele Anzeigen/unsichere Treffer
Anwaltskammer / VerbändeSeriöse QuellenTeilweise weniger komfortabel
Online-BewertungenEinblick in ErfahrungenNicht immer zuverlässig

Erste Kontaktaufnahme mit dem Anwalt

Sie können ruhig vorab bei Kanzleien anrufen. Dabei können Sie klären, ob Ihr Anliegen dort bearbeitet wird und wann ein Termin möglich ist. Ein solches Gespräch gilt noch nicht als rechtliche Beratung und ist daher unproblematisch. 

Fachanwalt: Den passenden Anwalt finden

Ein zentraler Punkt: Achten Sie unbedingt darauf, dass der Anwalt auf das passende Rechtsgebiet spezialisiert ist. Denn nicht jeder Anwalt kennt sich in allen Bereichen gleich gut aus (z. B. Arbeitsrecht, Familienrecht, Mietrecht). Wenn Sie unsicher sind, können Sie auch direkt in der Kanzlei nachfragen, ob Ihr Fall dort richtig aufgehoben ist.

Woran erkennt man einen guten Anwalt?

Wenn Sie einen Anwalt suchen, stehen Sie oft vor einer großen Auswahl – allein in Deutschland gibt es sehr viele zugelassene Rechtsanwälte. Umso wichtiger ist es, bei der Auswahl strukturiert vorzugehen und nicht einfach den erstbesten Ansprechpartner zu wählen. Das erste Beratungsgespräch sollte am besten physisch oder per Videocall in einem persönlichen Gespräch erfolgen.

Fachanwalt oder allgemeiner Rechtsanwalt?

In diesem Zusammenhang spielt auch der Unterschied zwischen einem allgemeinen Rechtsanwalt und einem Fachanwalt eine wichtige Rolle. Während jeder Anwalt eine juristische Ausbildung durchlaufen hat, verfügt ein Fachanwalt über eine zusätzliche Qualifikation, spezielle Prüfungen und nachgewiesene praktische Erfahrung in einem bestimmten Rechtsgebiet. Dadurch können Sie bei spezialisierten Fällen häufig von einer besonders fundierten Expertise profitieren. 

Neben der Spezialisierung sollten Sie außerdem auf die Erfahrung und den Ruf des Anwalts achten. Je länger ein Anwalt tätig ist und je mehr Wert er auf Weiterbildung legt, desto größer ist in der Regel sein Fachwissen. Es kann daher sinnvoll sein, sich vorab darüber zu informieren, wie lange der Anwalt bereits praktiziert und ob er regelmäßig Fortbildungen besucht. So stellen Sie sicher, dass Ihr Rechtsbeistand mit aktuellen Entwicklungen im Recht vertraut ist und Sie kompetent beraten kann.

Muss man den passenden Anwalt vor Ort finden?

Wichtig zu wissen: Sie können auch bundesweit suchen, da viele Beratungen telefonisch oder online stattfinden. Aber Vorsicht beim Gerichtsverfahren: Wenn der Anwalt anwesend sein soll, müssen Mandanten unter Umständen hohe Fahrt- und Aufenthaltskosten zahlen. Möglicherweise müssen Sie sich auch mit einem Vertreter zufrieden geben, wenn es Ihrem Anwalt nicht möglich ist, persönlich zu erscheinen.

Es gibt auch Anwalts-Hotlines, jedoch ist von diesen abzuraten, da man die Expertise der angerufenen Person nicht überprüfen kann.

Mit welchen Anwaltskosten Sie rechnen müssen

Die Gebührenordnung für Rechtsanwälte (RVG) legt fest, wie viel ein Anwalt für seine Arbeit verlangen darf. In vielen Fällen richten sich die Kosten nicht frei nach Vereinbarung, sondern werden gesetzlich geregelt – oft abhängig vom sogenannten Streitwert Ihres Falls. Je höher dieser Wert ist, desto höher können auch die Anwaltskosten ausfallen.
Für Sie bedeutet das: Die Kosten sind dadurch meist nachvollziehbar und nicht völlig frei verhandelbar. Dennoch sollten Sie im ersten Gespräch immer klären, welche Gebühren konkret auf Sie zukommen können, um Überraschungen zu vermeiden.

Wenn Sie sich keinen Anwalt leisten können: Beratungshilfe erklärt

Wenn Sie über geringe finanzielle Mittel verfügen, ermöglicht Ihnen die staatliche Beratungshilfe professionellen Rechtsrat gegen einen geringen Eigenanteil.

Voraussetzungen für Beratungshilfe und Antragstellung

Um die Hilfe zu erhalten, müssen folgende Punkte erfüllt sein:

  • Finanzielle Bedürftigkeit: Sie können die Anwaltskosten nicht selbst tragen.
  • Keine Alternativen: Es bestehen keine Rechtsschutzversicherung oder andere zumutbare Hilfsmöglichkeiten.
  • Vorbereitung: Ein eigener Lösungsversuch sollte bereits unternommen worden sein.

Den Antrag stellen Sie mit Einkommensnachweisen und Sachverhaltsschilderung beim Amtsgericht (persönlich, postalisch oder online) oder direkt über eine Kanzlei.

Welche Leistungen übernimmt die Beratungshilfe?

Nach erfolgreicher Prüfung erhalten Sie einen Beratungshilfeschein. Dieser deckt die außergerichtliche Unterstützung ab (z. B. Beratung oder Schriftverkehr). Für spätere Gerichtsverfahren ist hingegen die Prozesskostenhilfe vorgesehen. Ergänzend bieten einige Bundesländer zudem eigene, kostengünstige Beratungsstellen an.

Wann zusätzliche Kosten entstehen können

Wenn Sie Beratungshilfe in Anspruch nehmen möchten, sollten Sie wissen, dass Anwälte grundsätzlich verpflichtet sind, Mandanten mit einem entsprechenden Berechtigungsschein zu beraten. In der Praxis kann es dennoch vorkommen, dass es nicht ganz einfach ist, einen passenden Anwalt zu finden – insbesondere dann, wenn Sie einen spezialisierten Rechtsbeistand für ein bestimmtes Fachgebiet benötigen. Wichtig ist außerdem, dass Sie mit einem Beratungshilfeschein in der Regel nur einen Anwalt pro Angelegenheit beauftragen können. Möchten Sie eine zweite rechtliche Einschätzung einholen, müssen Sie die dafür entstehenden Kosten meist selbst tragen.

Mehrere juristische Symbole und ein Finger, der auf eine hervorgehobene Waage zeigt, um einen passenden Anwalt zu finden.

Was zahlt die Rechtsschutzversicherung?

Ob eine Rechtsberatung von Ihrer Rechtsschutzversicherung übernommen wird, hängt von mehreren Faktoren ab – insbesondere vom Tarif und davon, ob ein konkreter Rechtsfall vorliegt.
Grundsätzlich gilt: Eine Rechtsschutzversicherung übernimmt häufig die Kosten für eine anwaltliche Erstberatung, wenn bereits ein konkreter Anlass besteht, also beispielsweise eine Kündigung, ein Streit im Mietverhältnis oder ein anderes rechtliches Problem. In vielen Fällen liegt die Kostenübernahme für eine solche Erstberatung bei etwa 250 Euro. Allerdings gilt diese Leistung nicht unbegrenzt und ist meist an bestimmte Bedingungen geknüpft.

Wichtig ist vor allem, dass kein allgemeines Vorsorgegespräch versichert ist. Wenn Sie sich lediglich informieren möchten oder einen Vertrag ohne konkreten Streitfall prüfen lassen wollen, übernehmen viele Versicherungen die Kosten in der Regel nicht. Der Versicherungsfall muss also bereits eingetreten sein und zwar nach Beginn des Versicherungsvertrags.
Zusätzlich bieten viele Versicherer telefonische Rechtsberatungen als Serviceleistung an. Diese sind oft unkompliziert, teilweise unbegrenzt nutzbar und können ohne Selbstbeteiligung erfolgen. Sie ersetzen jedoch keine umfassende anwaltliche Prüfung eines Falls.

Insgesamt hängt die genaue Kostenübernahme stark vom jeweiligen Tarif ab. Es lohnt sich daher immer, die Versicherungsbedingungen im Detail zu prüfen oder im Einzelfall direkt bei der Versicherung nachzufragen.

Was tun, wenn man unzufrieden ist?

Zunächst sollten Sie Ihren Anwalt unbedingt darauf ansprechen, oft können Unstimmigkeiten so schon geklärt werden. Mandanten können den Vertrag mit dem Anwalt auch jederzeit kündigen. Der Anwalt kann dies ebenso von seiner Seite tun. Bis zur Trennung entstandene Kosten müssen Mandanten trotzdem tragen. Kommt es zu einem Streit zwischen Anwalt und Mandanten, kann die Schlichtungsstelle der Rechtsanwaltschaft helfen.

FAQ – Häufig gestellte Fragen

Wie finde ich den passenden Anwalt?

Sie können über Empfehlungen, Online-Suchen oder Anwaltskammern nach einem passenden Anwalt suchen. Wichtig ist vor allem, dass der Anwalt auf Ihr Rechtsgebiet spezialisiert ist.

Was ist der Unterschied zwischen Anwalt und Fachanwalt?

Ein Fachanwalt hat zusätzliche Qualifikationen und nachgewiesene Erfahrung in einem bestimmten Rechtsgebiet. Dadurch ist er in diesem Bereich besonders spezialisiert.

Ist die Erstberatung beim Anwalt kostenlos?

Die Erstberatung ist oft kostenpflichtig, kann aber durch eine Rechtsschutzversicherung oder in bestimmten Fällen durch Beratungshilfe übernommen werden. Die Kosten sollten Sie vorher klären.

Kann ich meinen Anwalt wechseln?

Ja, Sie können den Mandatsvertrag jederzeit kündigen und den Anwalt wechseln. Bereits entstandene Kosten müssen Sie jedoch in der Regel bezahlen.

Muss mein Anwalt vor Ort sein?

Nein, viele Fälle können auch online oder telefonisch betreut werden. Nur bei Gerichtsterminen kann es sinnvoll oder notwendig sein, dass der Anwalt persönlich anwesend ist.

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