E-Call – die automatische Notruffunktion im Fahrzeug

Der E-Call soll Leben retten. Wir erklären Ihnen wie das System funktioniert.

E-Call

Seit mehr als zwei Jahren ist der digitale Ersthelfer, der im Jahr mehr als 2.500 Menschenleben retten soll, nun europaweit Pflicht. Jedoch nicht für jeden Neuwagen, sondern nur für Fahrzeugmodelle bis 3,5 Tonnen, die seitdem neu genehmigt wurden bzw. werden. Deshalb ist es kaum ein Wunder, dass die E-Call-Funktion bisher nur in wenigen Autos verbaut ist. Vor allem, da die Nachrüstung von älteren Modellen freiwillig ist. Prognosen zu Folge wird das System erst in 15 Jahren flächendeckend im Einsatz sein. Was kann also dieses System der Zukunft? Diese und weitere Fragen wollen wir Ihnen beantworten.

Was ist der E-Call und wie funktioniert er?

Da nicht jeder Unfall mehrere Beteiligte hat oder so schwer sein kann, dass keiner der Verunfallten mehr den Notarzt rufen kann, wurde ein E-Call-System beschlossen. Wie oben bereits erwähnt, geht es darum, Leben zu retten und dafür ist es wichtig, dass die Hilfe so schnell wie möglich eintrifft. Außerdem sollen auch Folgeunfälle vermieden werden, indem die Unfallhelfer schneller vor Ort sind.

Funktion des E-Calls

E-Call Notruf 112 Lexika Verlag lexika lexika.de
Der E-Call verständigt die Notrufnummer 112.

Das System erkennt Unfälle und verständigt automatisch die Notfallhelfer unter der Rufnummer 112. Dafür ist E-Call mit dem Mobilfunknetz verknüpft und ortet das verunfallte Fahrzeug via Satellit. In Folge der Aktivierung der Notruffunktion wird die Freisprechanlage eingeschaltet und die Notrufzentrale versucht mit Ihnen zu kommunizieren und herauszufinden, was passiert ist und ob Sie ansprechbar sind. Es wird z. B. dann automatisch ein Anruf ausgelöst, wenn die Airbags aufgehen oder ein Aufprall auf das Fahrzeug erfolgt. Das System kann erkennen, ob es sich um einen harmlosen Parkrempler handelt oder um einen ernsten Unfall.

Datenübermittlung mit dem E-Call

Damit die Rettungsleitstelle im Bilde ist, werden ihr einige Daten, die Sie, den Unfall und Ihr Kraftfahrzeug betreffen, übermittelt. Dazu gehören der Unfallzeitpunkt, wie der Notruf ausgelöst wurde, die Fahrzeugidentifikationsnummer, die Antriebsart, die Fahrzeugklasse, der Standort, die letzten zwei ermittelten Standorte, die Fahrtrichtung, die Anzahl der angeschnallten Personen und weitere Daten je nach Anbieter.

Bestandteile des E-Calls

Das E-Call-System besteht aus einem GPS-Empfänger mit Galileo Ortungsdaten, einer Mobilfunkantenne, einem Steuergerät mit integrierter SIM-Karte, einer Verbindung zum Airbag-Steuergerät und einer Freisprechanlage.

Hilferuf mit dem E-Call

Um den E-Call manuell auszulösen, können Sie den E-Call-Knopf betätigen. Diesen dürfen Sie jedoch nur im Notfall drücken. Dieser besteht bei einem Personenschaden oder einem medizinischen Notfall. Es wird eine direkte Sprachverbindung mit den Ersthelfern unter 112 aufgebaut. Im Fall einer Panne rufen Sie einen Abschleppdienst oder setzten Sie sich mit der ADAC-Pannenhilfe in Verbindung.

Nachrüstung des E-Call-Systems

Es ist möglich, dass Sie ein ähnliches System nachrüsten lassen, auch wenn Sie dies nicht müssen. Jedoch gibt es derzeit noch kein Modul, das alle Funktionen des E-Call-Systems nachbildet. Sie können bei Ihrer Versicherung anfragen, ob diese einen Unfallmeldedienst anbietet. Ein Anruf erfolgt dann über Ihr Mobiltelefon, das über Bluetooth mit dem Dienst verbunden ist. Weitere Informationen können Sie hier nachlesen.

Nachteile des E-Calls

Die Funktion kann nicht von Ihnen ausgeschalten werden. Sie ist immer an. Das liegt daran, dass sie nicht über ein eigenes Steuergerät läuft. Außerdem ist es gesetzlich verboten Bestandteile der Typzulassung aus dem Auto zu entfernen, da ansonsten die Betriebserlaubnis erlischt. Und das E-Call-System gehört seit 2018 zu den Bestandteilen der Typzulassung der neuesten Fahrzeugmodelle.

Herstellereigene Notrufzentrale

Hiervon rät der ADAC ab, da diese noch nicht qualifiziert genug sind und es zu einer Verzögerung des Hilferufs durch das Zwischenschalten eines Call-Centers kommt. Die Hersteller sind dazu verpflichtet, den Käufern die Wahl zu lassen. Außerdem ist nicht sicher, welche Daten diese Systeme übermitteln. Im Gegensatz dazu ist der E-Call datenschutztechnisch unbedenklich. Es werden nur vollkommen notwendige Daten übermittelt, keine Bewegungsprofile angelegt und keine Daten gespeichert. Ein Urteil des AG Düsseldorf zum System von Mercedes-Benz finden Sie hier.

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Was tun nachdem E-Call für Sie Hilfe gerufen hat?

Hier können Sie nachlesen, wie Sie sich während und nach einem Verkehrsunfall allgemein richtig verhalten, nachdem Sie den Notruf abesetzt haben.

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