Von O bis O: Lifehacks zum Tausch von PKW-Reifen

Die Faustregel lautet: Winterreifen werden von Oktober bis Ostern gefahren. Diese und andere Lifehacks klären wir für Sie.

Reifen

Die meisten Deutschen wechseln ihre Reifen zweimal jährlich. Im Herbst von Sommer- zu Winterreifen und im Frühjahr wieder zurück. Wir sagen Ihnen, ob es nicht auch Ganzjahresreifen tun würden, die weniger oft ummontiert werden müssen. Außerdem geht es um Lifehacks zu Autoreifen, Reifendruck, Profiltiefe, Reifendimensionen und Bußgelder. Alles, was es zum Thema Reifen zu beachten gilt, können Sie in diesem Artikel nachlesen.

Corona-Information zum Besuch der Autowerkstatt

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Wechseln wieder erlaubt!

Bis Ende März 2020 gab es noch sehr strenge Regelungen zum Thema Werkstattbesuch. Es war nur erlaubt, für dringende Reparaturen in die Werkstatt zu fahren. Für alle, die jetzt Angst haben, dass sie ihre Reifen selber wechseln müssen: Anfang April 2020 kam die erleichternde Meldung. Es ist wieder erlaubt, die Reifen in der Werkstatt wechseln zu lassen. Dies gilt sowohl für den Wechsel von Winterreifen auf Sommerreifen als auch für den Wechsel aus sicherheitsrelevanten Gründen, z. B. bei stark abgenutzten Allwetterreifen mit zu wenig Profil. Wenn Sie Ihre Reifen dennoch lieber selbst wechseln wollen, können Sie sich hier ein Video ansehen.

Saisonale Reifen oder Ganzjahresreifen

Im Allgemeinen kann gesagt werden, dass neue Reifen heute sehr viel besser geworden sind, als sie es noch vor wenigen Jahren waren. Das gilt vor allem auch für Ganzjahresreifen. Der Großteil der Deutschen zieht seit jeher die Saisonalen Reifen den Ganzjahresreifen vor. Der ADAC vermeldet hier jedoch seit einiger Zeit einen Sinneswandel. Der Anteil der Ganzjahresreifen hat im Jahr 2019 erstmals die 15 Prozent-Marke überschritten. Jedoch wird auch ganz klar darauf hingewiesen, dass nicht in jeder Region der Einsatz von Ganzjahres bzw. Allwetterreifen sinnvoll ist.

Pro Ganzjahresreifen

Pauschal können die Fahrer von Ganzjahresreifen in zwei Gruppen eingeteilt werden: in die Überzeugungstäter und in die praktisch veranlagten Wenigfahrer.

Voraussetzungen: Für die effizienteste Nutzung von Ganzjahresreifen sollten Sie tatsächlich nur wenig fahren, im Zweifelsfall nicht auf das Auto angewiesen sein und aus einem Gebiet kommen, wo es im Winter kaum schneit und im Sommer nicht allzu heiß ist. Dafür können Sie den Vorzug genießen, immer die passenden Reifen zu fahren und diese nicht zweimal jährlich wechseln zu müssen.

Sparen: Da Sie nur einen Satz Reifen kaufen müssen, sparen Sie sich erstmal das Geld für den zweiten Satz. Denn ein guter Satz Allwetterreifen kostet mittlerweile genauso viel wie ein guter Satz Sommer- oder Winterreifen. Und Sie brauchen bei Saisonalen Reifen zwei Reifensätze. Außerdem sparen Sie sich das Geld für die Einlagerung und den Wechsel in der Werkstatt. Wenigfahrer können im besten Fall mit den Ganzjahresreifen bis zu 10.000 Kilometer weiter fahren als mit einem normalen Satz Saisonaler Reifen.

Contra Ganzjahresreifen

Nicht jeder kann problemlos von Saisonalen Reifen auf Ganzjahresreifen umsteigen. Und praktisch ist es für Sie auch nicht immer.

Vielfahrer: Denn wenn Sie Vielfahrer mit großem Fahrzeug sind, sind das schon die zwei Hauptausschlusskriterien für Allwetterreifen. Sie kaufen zwar erst mal nur einen Satz Reifen, aber Sie sparen sich auf Dauer nichts, denn dieser eine Satz Reifen fährt sich bei häufigem Gebrauch auch sehr schnell ab. Das heißt, es müssen häufig neue Reifen angeschafft werden.

Wetterbedingungen: Auch dort, wo es im Winter besonders häufig und langanhaltend schneit und es im Sommer (gleichzeitig) besonders heiß ist, sollten Sie die Reifen auf jeden Fall den Wetterverhältnissen angepasst kaufen, um das beste Fahrverhalten zu haben. Denn die falschen Reifen werden schnell für Sie zum Sicherheitsrisiko.

Kraftstoffverbrauch: Ein weiterer negativer Punkt ist, dass es bei Allwetterreifen zu steigendem Kraftstoffverbrauch und erhöhtem Profilabrieb kommen kann. Vor allem bei den oben erwähnten Vielfahrern. Dies ist jedoch ein „Kann“. Denn das kommt auch darauf an, wie intensiv Sie die Reifen nutzen und wie häufig Sie den Reifendruck messen und nachbessern.

Kompromiss: Es muss gesagt sein, dass es sich bei Allwetterreifen eigentlich vor allem um Winterreifen handelt, die auch bedingt sommertauglich sind. Auch bieten sie Ihnen bei den gerade erwähnten Schlechtwetterverhältnissen nicht die optimale Bremsleistung. Das macht sie in bestimmten Gebieten zu einem schlechten Kompromiss.

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Allwetterreifen sind in Regionen mit strengem Winter ein (schlechter) Kompromiss.

Reifen Lifehacks

7-Grad-Regel: Jain. Bei trockener Fahrbahn funktionieren die Sommerreifen auch bei niedrigen Temperaturen besser als die Winterreifen. Wenn es dann aber friert, ist der Winterreifen sinnvoll und auch Pflicht.

Breite Reifen: Auch wenn der Trend eher zu breiten Reifen tendiert: Je breiter der Reifen, desto anfälliger ist er für Aquaplaning und rutscht somit auf feuchter Fahrbahn schneller weg. Dafür bremst er auf trockener Fahrbahn besser als ein schmalerer Reifen.

No-Name-Reifen: Testberichte raten vom Kauf von zu günstigen Reifen ab. Sie sollten also, wenn Sie unsicher sind oder nicht das Geld für zwei Reifensätze in einem Jahr haben, lieber einmal sehr gute Allwetterreifen kaufen als günstige Sommer- und Winterreifen.

Winterreifen: Auch mit den Winterreifen im Sommer zu fahren ist keine gute Idee. Denn dieser ist nicht für den heißen Asphalt ausgelegt und das führt zu einem längeren Bremsweg. Dann sollten Sie auch lieber Allwetterreifen nutzen.

Reifenwechsel: Saisonale Reifen sollten spätestens im Oktober in Winterreifen gewechselt werden und können ab Ostern wieder in Sommerreifen getauscht werden. Sollte es aber nach dem Wechseln noch einmal winterlich werden, müssen Sie wieder zurückwechseln, um sich selbst nicht zu gefährden. Wenn die Reifen stark unterschiedlich abgefahren sind, sollten Neue gekauft werden.

Reifentausch: Doch auch bei Allwetterreifen sollten Sie alle 10.000 bis 12.000 Kilometer die Vorderreifen nach hinten wechseln, um hinten immer die Reifen mit dem besseren Profil zu haben. Denn die besseren Reifen sollten an der Hinterachse sein, weil diese die spurführende Achse ist. Das hat nichts mit der Antriebsart zu tun. Außerdem halten die Reifen durch gleichmäßiges Abfahren länger.

Haltbarkeit: Aber egal, was Sie für Reifen nutzen und wie weit diese abgefahren sind: Nach spätestens acht bis zehn Jahren sollten Sie sie gegen neue Reifen austauschen. Und das nicht ab dem Kaufdatum, sondern ab dem Produktionsdatum gemessen! Es gibt sogar Experten, die bereits nach sechs Jahren zum Tausch raten und dabei auf die 4 (gleiche Reifen)*3 (Millimeter)*6 (Jahre)-Regel verweisen. Das Alter Ihres Reifens können Sie an der DOT-Nummer ablesen. Die letzten vier Zahlen zeigen Fertigungswoche und Fertigungsjahr. Beispiel: 3518 bedeutet 35. Woche in 2018 gefertigt. Diese sollten allerspätestens 2028 aussortiert werden.

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Wintersymbole auf Reifen.

Wichtige Symbole: Seit 2018 ist das M+S-Symbol nicht mehr ausreichend bei Neureifen. Altreifen sind aber noch bis 2024 zulässig. Neue Winterreifen müssen seitdem auch das Alpin-Symbol (Schneeflocke vor Bergsilhouette) vorweisen können.

Achtung! Ebenfalls seit 2018 wird nicht mehr nur der Fahrer eines falsch bereiften Fahrzeuges bestraft, sondern auch der Halter. Beide bekommen eine Geldbuße und einen Punkt in Flensburg.

Hier können Sie nachlesen, wie die Winterreifenpflicht in anderen europäischen Ländern geregelt ist.

Reifendruck

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Regelmäßiges Messen ist wichtig für eine gute Fahrt.

Der Luftdruck sollte immer in kaltem Zustand gemessen werden. Kalt bedeutet bei Fahrtantritt oder nach spätestens 3–5 Kilometern. Automodelle, die nach dem 01. November 2012 auf den Markt gekommen sind, müssen ein Reifendruckkontrollsystem verbaut haben, das auch während der Fahrt den Reifendruck misst. Dieses sorgt für einen konstanten Druck. Falls Sie ein älteres Auto besitzen, sollten Sie alle zwei bis vier Wochen manuell den Reifendruck kontrollieren. Damit gewährleisten Sie ein optimales Fahrverhalten. Sowohl zu niedriger (mehr Grip aber mehr Kraftstoffverbrauch) als auch zu hoher Reifendruck (weniger Kraftstoffverbrauch aber längerer Bremsweg) kann zu einer erhöhten Unfallgefahr führen.  

Tipp! Informieren Sie sich online auf der Herstellerseite darüber, wie viel Bar Luftdruck die Reifen haben sollten. Die Angaben könnten auch im Einstieg bzw. Türholm oder im Tankdeckel vermerkt sein.

Profiltiefe

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Reifenprofilmesser.

Neue Reifen haben ein Profil von sieben bis neun Millimetern. Sie sollten die Profiltiefe Ihrer Reifen regelmäßig prüfen, besonders bevor Sie sie im Winter bzw. Sommer wechseln. Für eine erste Diagnose benötigen Sie nicht zwingend ein Spezialmessgerät. Die kleinen gelben Reifenprofilmesser (im Bild links) werden oft als Werbegeschenk verteilt oder können für unter einem Euro erworben werden.

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Profiltiefe mit Euro-Münze messen.

Auch der Goldrand der 1-Euro-Münze (drei Millimeter) oder der Silberrand der 2-Euro-Münze (vier Millimeter) können ein einigermaßen aussagekräftiges Ergebnis liefern. Setzen Sie die Münze einfach im Reifenprofil an. Wenn der Rand nicht sichtbar ist, sollte das Profil in Ordnung sein.

Experten raten dazu, im Sommer mit mindestens drei Millimetern Restprofil und im Winter oder mit Ganzjahresreifen mit mindestens vier Millimetern Restprofil zu fahren. Die Reifen mit dem besseren Profil sollten an der Hinterachse montiert sein. Alles darunter kann zu einer Gefährdung bei nasser oder eingeschneiter Fahrbahn führen.

Tipp! Da nicht nur die Profiltiefe der Reifen abnimmt, sondern auch der Gummi porös wird, sollten Sie die Reifen höchstens acht bis zehn Jahre fahren (siehe auch unter Haltbarkeit). Denn je weiter die Gummimischung aushärtet, desto schlechter der Grip.

Reifendimension

Die Reifengröße können Sie der Zulassungsbescheinigung Teil 1 entnehmen. Im Certificate of Conformity (COC) finden Sie die zusätzlich zugelassenen Reifendimensionen. Es empfiehlt sich weder breitere noch schmalere Reifen als die empfohlenen Reifen zu nehmen. Beides hat entscheidende Nachteile gegenüber den Eigenschaften der Standardreifen.

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Reifendimension.

Beispielaufschrift: 175/70 R 15 91 H

  • 175 = Reifenbreite in Millimeter
  • 70 = das Verhältnis von Höhe zu Breite in Prozent
  • R = radial, was die übliche Reifenbauweise ist. Es gibt aber auch noch Diagonalreifen (Abkürzung mit Buchstabe B).
  • 15 = Felgendurchmesser in Zoll
  • 91 = Belastbarkeitskennzahl: 91 bedeutet eine Belastbarkeit von 615 Kilogramm
  • H = zugelassen für eine Höchstgeschwindigkeit von 210 km/h
  • Tubeless = schlauchlos
  • M+S und Schneesymbol= Symbol für Winter- bzw. Ganzjahrestauglichkeit (M+S ist nur noch gültig bis 2024!)

Bußgelder

Mindestprofiltiefe von Reifen

Reifen, die weniger als 1,6 Millimeter Profiltiefe aufweisen, dürfen nicht mehr gefahren werden.

Achtung! Wer gegen diese Mindestprofiltiefe verstößt, riskiert nicht nur ein Bußgeld in Höhe von 60 bis 90 Euro, sondern auch sein Leben.

Winterliche Straßenverhältnisse

Sie sollten weder die Winterreifen zu früh in Sommerreifen noch die Sommerreifen zu spät mit Winterreifen austauschen. In Deutschland gilt die situative Winterreifenpflicht. Diese richtet sich nicht nach der Faustregel von Ostern bis Oktober.

Achtung! Die falsche Bereifung zu haben, kostet Sie mindestens 60 Euro. Bei Behinderung erhöht sich das Bußgeld auf 80 Euro, bei Gefährdung auf 100 Euro und wenn es zu einem Unfall kommt auf 120 Euro.

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