Ein Arbeitszeugnis ist für Ihre berufliche Zukunft von zentraler Bedeutung. Dennoch wird es häufig unterschätzt oder ungeprüft akzeptiert. Dabei kann gerade die Arbeitszeugnis Bewertung – oft in Form versteckter Formulierungen – entscheidend dafür sein, ob Sie zu einem Vorstellungsgespräch eingeladen werden.
Warum es sinnvoll ist, Ihr Arbeitszeugnis prüfen zu lassen, welche Note im Arbeitszeugnis wirklich dahintersteckt und worauf Sie unbedingt achten sollten, erklärt Rechtsanwalt und Fachanwalt für Arbeitsrecht Moritz Schulte von der Kanzlei Wagner + Gräf im Gespräch.
Prüfen lassen: Ein Arbeitszeugnis ist Ihre Visitenkarte
Lexika.de: Herr Schulte, warum sollte man ein Arbeitszeugnis überhaupt prüfen lassen?
Rechtsanwalt Schulte:
Ein Arbeitszeugnis ist weit mehr als eine Formalität – es ist Ihre Visitenkarte für zukünftige Arbeitgeber. Viele Mandanten kommen zu uns und möchten ihr Arbeitszeugnis prüfen lassen, weil sie unsicher sind, wie die Formulierungen tatsächlich zu verstehen sind.
Der Fachanwalt erklärt, dass gerade die Arbeitszeugnis Bewertung oft nicht eindeutig ist. Hinter scheinbar positiven Aussagen könne sich durchaus eine durchschnittliche oder sogar schwächere Leistung verbergen.
Anspruch auf ein Arbeitszeugnis – und worauf Sie achten sollten
Lexika.de: Habe ich grundsätzlich Anspruch darauf, mein Arbeitszeugnis prüfen zu lassen und gegebenenfalls korrigieren zu lassen?
Rechtsanwalt Schulte:
Zunächst einmal haben Sie Anspruch auf ein Arbeitszeugnis – und zwar auf ein qualifiziertes, wenn Sie das wünschen. Wenn dieses Zeugnis fehlerhaft ist oder eine unzutreffende Bewertung enthält, können Sie selbstverständlich eine Korrektur verlangen.
Er empfiehlt ausdrücklich, das Arbeitszeugnis frühzeitig prüfen zu lassen, um mögliche Nachteile im Bewerbungsprozess zu vermeiden. Gerade nach Beendigung des Arbeitsverhältnisses ist es wichtig, zeitnah zu reagieren.
Welche Note steckt wirklich im Arbeitszeugnis?
Lexika.de: Die Bezeichnung „Zeugnis“ lässt vermuten, dass auch das Arbeitszeugnis Noten beinhaltet. Können Sie das etwas erläutern?
Rechtsanwalt Schulte:
In der Praxis hat sich eine Art Notensystem etabliert, das sich in den Formulierungen widerspiegelt. Begriffe wie „stets zu unserer vollsten Zufriedenheit“ entsprechen in der Regel einer sehr guten Bewertung, während andere Abstufungen bereits eine andere Note im Arbeitszeugnis bedeuten.
Der Fachanwalt macht deutlich, dass viele Arbeitnehmer ihre tatsächliche Bewertung falsch einschätzen. Genau deshalb ist es sinnvoll, die Note im Arbeitszeugnis professionell prüfen zu lassen. Kleine sprachliche Unterschiede können große Auswirkungen haben.
Ein gutes Arbeitszeugnis ist kein Selbstläufer
Lexika.de: Habe ich Anspruch auf eine gute oder sehr gute Bewertung?
Rechtsanwalt Schulte:
Nein, einen automatischen Anspruch auf ein gutes Arbeitszeugnis gibt es nicht. Das Zeugnis muss wahrheitsgemäß sein, aber auch wohlwollend formuliert werden.
Lexika.de: Was bedeutet das konkret für Arbeitnehmer?
Rechtsanwalt Schulte:
Im Streitfall gilt häufig: Die durchschnittliche Leistung entspricht etwa einer befriedigenden Bewertung. Wenn Sie eine bessere Note im Arbeitszeugnis erreichen möchten, müssen Sie darlegen können, dass Ihre Leistungen über dem Durchschnitt lagen.
Arbeitszeugnis prüfen lassen: Typische Fehler und Verstecktes
Lexika.de: Welche Probleme sehen Sie in der Praxis am häufigsten?
Rechtsanwalt Schulte:
Viele Zeugnisse enthalten versteckte Kritik oder sind widersprüchlich aufgebaut. Für Laien ist das oft schwer zu erkennen. Genau hier lohnt es sich, ein Arbeitszeugnis prüfen zu lassen.
Er berichtet aus seiner Erfahrung, dass bereits kleine Formulierungen darüber entscheiden können, wie ein Zeugnis insgesamt bewertet wird. Auch das Weglassen bestimmter Aussagen kann negativ wirken. Es kommt immer auf das Gesamtbild an.
Die richtige Datierung im Arbeitszeugnis
Lexika.de: Ein eher unbekannter Punkt ist die Datierung. Spielt diese wirklich eine Rolle?
Rechtsanwalt Schulte:
Ja, absolut. Das Datum kann für erfahrene Leser ein Hinweis darauf sein, ob es Unstimmigkeiten gab. Deshalb sollte auch dieser Aspekt nicht unterschätzt werden, wenn Sie Ihr Arbeitszeugnis prüfen lassen.
Der Fachanwalt erläutert, dass häufig das Beendigungsdatum verwendet wird, aber auch das tatsächliche Ausstellungsdatum zulässig ist. Wichtig ist, dass das Datum keinen falschen Eindruck erweckt – insbesondere bei späteren Korrekturen.

Datierung von Arbeitszeugnissen: Was Sie dazu wissen sollten
Ein Arbeitnehmer hat grundsätzlich keinen gesetzlichen Anspruch darauf, dass das Zeugnis zwingend auf den Tag der Beendigung des Arbeitsverhältnisses zurückdatiert wird. Ein deutlich späteres Datum kann bei zukünftigen Arbeitgebern jedoch den Eindruck erwecken, dass es Streit über das Zeugnis gegeben haben könnte. Deshalb wählt man in der Praxis häufig das Beendigungsdatum , um solche Spekulationen zu vermeiden.
Besondere Bedeutung hat das Datum außerdem dann, wenn man ein Zeugnis später korrigiert oder berichtigt. In solchen Fällen muss ein berichtigtes Zeugnis häufig auf das Datum des ursprünglich ausgestellten Zeugnisses zurückdatiert werden. Das soll verhindern, dass Dritte erkennen können, dass es zuvor eine Auseinandersetzung über den Zeugnisinhalt gegeben hat.
Fazit: Warum Sie Ihr Arbeitszeugnis prüfen lassen sollten
Lexika.de: Ihr abschließender Rat?
Rechtsanwalt Schulte:
Lassen Sie Ihr Arbeitszeugnis im Zweifel immer prüfen – insbesondere dann, wenn Sie unsicher sind, welche Note im Arbeitszeugnis tatsächlich steckt.
Wir halten fest:
Ein Arbeitszeugnis kann Ihre Karrierechancen erheblich beeinflussen. Wer die Arbeitszeugnis Bewertung richtig einordnet und sein Arbeitszeugnis prüfen lässt, kann mögliche Nachteile frühzeitig erkennen und vermeiden.
Weitergehende Informationen zum Arbeitszeugnis erhalten Sie bei Wagner + Gräf.





