Ein hochwertiger Kaschmirpullover für nur 29 Euro, angeblich von einem deutschen Familienunternehmen. Die Internetseite wirkt professionell, die Bewertungen sehen gut aus und der Rabatt gilt angeblich nur noch heute. Was viele Verbraucher nicht ahnen: Hinter solchen Angeboten stecken häufig China fake Shops – mit ganz anderen Spielregeln als erwartet.
Inhaltsverzeichnis
- Ein typischer Fall
- Was sind China fake Shops?
2.1 Warum wirken die Shops so seriös?
2.2 Mit welchen Tricks arbeiten China Shops? - So erkennen Sie unseriöse fake Shops
- Bereits beim China fake Shop bestellt?
- Fazit
- FAQ: Häufig gestellte Fragen
Ein typischer Fall
Frau Schneider entdeckt in den sozialen Medien Werbung für den Onlineshop „Meyer & Sohn Mode“. Angeboten werden hochwertige Stickkleider mit 70 Prozent Rabatt, weil das Unternehmen angeblich sein Lager räumt. Die Webseite wirkt seriös, das Impressum macht einen deutschen Eindruck und die Bezahlung erfolgt problemlos.


Einige Wochen später trifft das Paket ein – allerdings nicht aus Deutschland, sondern aus China. Statt eines hochwertigen Strickkleides liegt ein dünnes Kleidungsstück aus Polyester im Paket, das weder der Produktbeschreibung noch den Fotos entspricht. Als Frau Schneider ihr Geld zurückfordert, erhält sie nur zwei Möglichkeiten: Die Ware auf eigene Kosten nach China zurückschicken oder sie behalten und lediglich einen kleinen Teil des Kaufpreises erstattet bekommen.
Genau nach diesem Muster arbeiten derzeit zahlreiche sogenannte China fake Shops.
Was sind China fake Shops?
Dabei handelt es sich nicht unbedingt um klassische fake Shops, die nach der Bezahlung gar keine Ware liefern. Stattdessen erhalten Kunden häufig tatsächlich ein Paket – allerdings mit minderwertiger Ware, falschen Größen oder Produkten, die kaum Ähnlichkeit mit den Werbefotos haben.
Besonders problematisch wird es, wenn Verbraucher ihr Widerrufsrecht nutzen möchten. Die Rücksendung soll häufig nach China oder in ein anderes außereuropäisches Land erfolgen. Die Versandkosten können dabei schnell höher ausfallen als der eigentliche Warenwert. Teilweise kommen sogar noch Zoll- oder Einfuhrgebühren hinzu.
Viele Kunden verzichten deshalb auf die Rücksendung und akzeptieren den Verlust.
Warum wirken die China fake Shops so seriös?
Die Betreiber investieren viel Aufwand, damit ihre Webseiten vertrauenswürdig erscheinen. Oft werben sie mit einer erfundenen deutschen Unternehmensgeschichte oder geben sich als Familienbetrieb aus. Auch ein deutsches Impressum oder deutsch klingende Firmennamen sollen Vertrauen schaffen. Dazu kommen täuschend echte KI-Bilder der angeblichen Inhaber.
Für Verbraucher entsteht dadurch leicht der Eindruck, sie würden bei einem deutschen Händler einkaufen. Tatsächlich befindet sich das Unternehmen jedoch häufig im Ausland. Die Durchsetzung von Gewährleistungs- oder Rückerstattungsansprüchen wird dadurch erheblich erschwert.
Mit welchen Tricks arbeiten China fake Shops?
Viele dieser Händler setzen gezielt auf psychologische Verkaufsstrategien. Besonders häufig sind:
- angebliche Geschäftsaufgaben oder Lagerverkäufe
- „Alles muss raus“-Aktionen
- dauerhafte Rabatte von 50 bis 80 Prozent
- Black Week-, Sommer- oder Jubiläumsangebote
- Countdown-Timer, die Zeitdruck erzeugen
- Hinweise auf angeblich nur noch wenige verfügbare Produkte
- erfundene Start-up- oder Familiengeschichten
Das Ziel ist immer dasselbe: Verbraucher sollen möglichst schnell kaufen, ohne den Shop genauer zu prüfen.
Achtung!
Wenn ein Shop gleichzeitig mit einer Geschäftsaufgabe, 80 % Rabatt und einem Countdown wirbt, sollten Sie besonders kritisch sein.
So erkennen Sie unseriöse China fake Shops
Schon wenige Minuten Recherche können vor einem teuren Fehlkauf schützen.

1. Das Impressum genau prüfen
Ein seriöser Onlineshop nennt eine vollständige Firmenanschrift, Kontaktmöglichkeiten und einen Verantwortlichen. Fehlen diese Angaben oder existiert lediglich ein Kontaktformular, sollten Sie misstrauisch werden.
2. Rücksendeadresse kontrollieren
Schauen Sie bereits vor dem Kauf in die Widerrufsbelehrung. Müssen Rücksendungen nach China, Hongkong oder in andere außereuropäische Länder erfolgen, obwohl der Shop einen deutschen Eindruck vermittelt, ist Vorsicht geboten.
3. Den Zahlungsempfänger beachten
Achten Sie darauf, an wen Ihr Geld tatsächlich überwiesen wird. Taucht beim Bezahlvorgang plötzlich ein unbekanntes Unternehmen aus China auf, passt das häufig nicht zu einem angeblich deutschen Händler.
4. AGB lesen und Domainalter prüfen
Fehlende, unvollständige oder schlecht übersetzte Rechtstexte sind oft ein Hinweis darauf, dass der Shop nicht seriös arbeitet. Viele dieser Shops existieren auch erst seit wenigen Wochen oder Monaten. Über kostenlose WHOIS- oder Domain-Abfragen lässt sich das häufig erkennen. Ein angebliches Traditionsunternehmen mit einer erst vor zwei Monaten registrierten Internetadresse ist ein deutliches Warnsignal.
5. Nach Erfahrungen anderer Kunden suchen
Suchen Sie den Shopnamen zusammen mit Begriffen wie „Erfahrungen“, „Bewertungen“ oder „Betrug“. Häufen sich Berichte über schlechte Qualität, falsche Produkte oder Probleme bei Rückerstattungen, sollten Sie besser nicht bestellen.
Auch Bewertungsportale wie Trustpilot oder Watchlist Internet können erste Hinweise liefern. Einzelne schlechte Bewertungen sind normal – häufen sich jedoch ähnliche Beschwerden, ist Vorsicht angebracht.
6. Bilder und Produkte vergleichen
Ein einfacher Trick: Suchen Sie das Produkt über die Bildersuche oder schauen Sie auf bekannten internationalen Marktplätzen nach. Finden Sie exakt dieselben Produktfotos oder identische Artikel zu einem Bruchteil des Preises, handelt es sich häufig lediglich um günstig importierte Massenware.
Tipp der Redaktion
Geben Sie den Produktnamen zusätzlich bei Temu oder AliExpress ein. Finden Sie dort identische Fotos zum Bruchteil des Preises, handelt es sich wahrscheinlich um Massenware.
7. Nicht von hohen Rabatten unter Druck setzen lassen
Wenn ein Shop das ganze Jahr über mit 70 Prozent Rabatt wirbt oder ein Countdown ständig neu startet, steckt dahinter häufig nur eine Verkaufsstrategie. Lassen Sie sich davon nicht zu einem vorschnellen Kauf verleiten.
8. Den fake Shop Finder nutzen
Die Verbraucherzentralen stellen mit ihrem Fake-Shop-Finder ein kostenloses Online-Werkzeug zur Verfügung. Dort können Sie die Internetadresse eines Shops überprüfen. Zahlreiche unseriöse Webseiten sind dort bereits erfasst.
Bereits beim China fake Shop bestellt? Das können Sie jetzt tun
Wenn Sie bereits in einem solchen Shop bestellt haben, sollten Sie möglichst schnell handeln.

Je schneller Sie reagieren, desto größer sind die Chancen, Ihr Geld zumindest teilweise zurückzuerhalten.
Fazit: Nehmen Sie sich die wenigen Minuten Zeit zur Prüfung
Nicht jeder Onlineshop mit Sitz in China ist automatisch unseriös. Problematisch wird es jedoch, wenn Händler gezielt den Eindruck erwecken, ein deutsches Unternehmen zu sein, Verbraucher mit unrealistischen Rabattaktionen locken und Rücksendungen bewusst erschweren.
Nehmen Sie sich deshalb vor jeder Bestellung ein paar Minuten Zeit für eine kurze Prüfung. Ein Blick ins Impressum, ein Check unabhängiger Bewertungen und die Prüfung der Rücksendebedingungen können Sie vor Ärger und unnötigen Kosten bewahren.
FAQ – Häufig gestellte Fragen
Sind alle chinesischen Onlineshops unseriös?
Nein. Viele chinesische Händler arbeiten seriös. Problematisch sind vor allem Shops, die sich bewusst als deutsche Unternehmen ausgeben und Verbraucher über Herkunft oder Qualität täuschen.
Kann ich mein Geld zurückbekommen?
Je nach Zahlungsart bestehen gute Chancen über den Käuferschutz von PayPal, Klarna oder der Kreditkarte.
Warum muss ich nach China zurückschicken?
Viele Händler betreiben zwar deutschsprachige Webseiten, versenden ihre Ware jedoch direkt aus China oder verlangen im Widerrufsfall eine Rücksendung dorthin.
Wie erkenne ich einen fake Shop?
Prüfen Sie Impressum, Bewertungen, Rücksendeadresse, Produktbilder und die Widerrufsbelehrung. Zusätzlich hilft der Fake-Shop-Finder der Verbraucherzentralen.


