Die Zeiten, in denen eine klassische Lebensversicherung mehr als 7 Prozent pro Jahr einspielte, sind lange vorbei. Das Zinsumfeld hat sich seit der Niedrigzinsphase allerdings deutlich verändert: Seit Januar 2025 beträgt der Höchstrechnungszins für neu abgeschlossene Lebensversicherungen wieder 1,0 Prozent.
Ob eine Lebensversicherung sinnvoll ist, hängt dennoch nicht allein von der Verzinsung ab. Auch Kosten, garantierte Leistungen und die mögliche Überschussbeteiligung spielen eine wichtige Rolle. Zunächst ist eine grundlegende Frage zu klären:
Was genau ist eine Lebensversicherung?
In diese Kategorie zählen Versicherungsverträge, die auf das Leben einer versicherten Person abgeschlossen werden. Verstirbt diese vor Ende der Laufzeit, erhalten die zuvor definierten Bezugsberechtigten die vertraglich vereinbarte Versicherungssumme ausgezahlt. Über diesen Hinterbliebenenschutz hinaus kann eine Lebensversicherung als Spar- oder Vorsorgevertrag konzipiert sein. Aus dieser allgemeinen Definition ergeben sich drei unterschiedliche Umsetzungsmöglichkeiten:
Die Risikolebensversicherung
Dieser Vertrag ist reduziert auf das Wesentliche: die Absicherung des Risikos Tod. Sie legen eine bestimmte Versicherungssumme fest, die Sie für den Ernstfall absichern möchten. Die Versicherungsgesellschaft prüft die Wahrscheinlichkeit, dass die versicherte Person vor Vertragsablauf versterben könnte. Stehen Versicherungsbeiträge und Risiken in einem annehmbaren Verhältnis, übernimmt sie den Versicherungsschutz. Während der Laufzeit erwirtschaftete Gewinne werden zur Reduzierung des Beitrages oder Erhöhung der Versicherungssumme verwendet – Eine Auszahlung zum Ablauf erfolgt in der Regel nicht. Sollte die versicherte Person versterben, wird die Summe wie vereinbart ausgezahlt und der Vertrag erlischt.
Kapitallebensversicherung
Bei dieser Form der Lebensversicherung werden Todesfallschutz und Kapitalaufbau miteinander kombiniert. Ein Teil des Beitrags dient der Absicherung für den Todesfall, ein weiterer Teil wird für den Kapitalaufbau eingesetzt. Die Beiträge werden vom Versicherer angelegt. Dabei kommen unter anderem Anleihen, Aktien, Beteiligungen und Immobilien zum Einsatz.
Verstirbt die versicherte Person vor Ablauf des Vertrages, erhalten die festgelegten Bezugsberechtigten die vereinbarte Leistung. Wird das Vertragsende erreicht, erhält der Versicherungsnehmer die vereinbarte Ablaufleistung einschließlich einer möglichen Überschussbeteiligung.
Fondsgebundene Lebensversicherung
Auch bei der fondsgebundenen Lebensversicherung werden Todesfallschutz und Kapitalaufbau miteinander verbunden. Der Sparanteil wird dabei ganz oder teilweise in Investmentfonds angelegt. Dadurch können Sie stärker von der Entwicklung der Kapitalmärkte profitieren, tragen aber auch das Verlustrisiko. Entwickeln sich die gewählten Fonds schlecht, kann der Wert des angesparten Kapitals sinken. Welche Fonds zur Auswahl stehen und ob Garantien vereinbart werden können, hängt vom jeweiligen Vertrag ab.
Auch die Kosten sollten Sie im Blick behalten: Abschluss-, Verwaltungs- und Fondskosten können die Rendite erheblich beeinflussen.
Lebensversicherung als Auslaufmodell? Eher nicht!
Grundsätzlich sollte eine Lebensversicherung immer als Vertrag auf lange Sicht verstanden werden. Das inzwischen höhere Zinsniveau hat die Rahmenbedingungen für klassische Lebens- und Rentenversicherungen gegenüber der Niedrigzinsphase verbessert. Seit 2025 sind bei Neuverträgen wieder höhere Garantien möglich.
Dennoch sollte eine klassische Lebensversicherung nicht allein wegen der Zinsen als attraktive Geldanlage betrachtet werden. Insbesondere die Kosten können die Rendite deutlich schmälern.
Im Gegensatz dazu ist eine Risikolebensversicherung nach wie vor ein wichtiges Vorsorgeinstrument: Sie lässt sich einsetzen, um vergleichsweise preisgünstig
- Hauptverdiener in einer Familie,
- Geschäftsführer oder Knowhow-Träger in Unternehmen und
- Kredite
abzusichern. Sollten die Versicherten vorzeitig versterben, steht den Hinterbliebenen ausreichend Kapital zur Verfügung, um zumindest finanziell gut aufgestellt zu sein.
Sinnvoll: Trennung von Risikoabsicherung und Vorsorge
Ohnehin ist es ratsam, diese beiden Bereiche strikt getrennt voneinander zu organisieren: Die Absicherung vorzeitiger Risiken, wie zum Beispiel Tod oder Berufs- bzw. Erwerbsunfähigkeit, ist existenziell wichtig und sollte immer bezahlt werden können. Die Altersvorsorge oder das Ansparen können Sie separat vereinbaren. Diese Konstellation eröffnet auch in schwierigen Phasen einen komfortablen Bewegungsspielraum, da Sie die Bezahlung der Spar- und Rentenversicherungsverträge nämlich ohne Probleme aussetzen können. Damit bleiben Sie flexibel, ohne den wichtigen Risikoschutz zu riskieren. Ob die klassische Lebensversicherung je zu ihrer alten Stärke zurückfinden wird, das bleibt jedoch abzuwarten.
Bestehende Lebensversicherung: kündigen oder behalten?
Besitzen Sie bereits eine Lebensversicherung, sollten Sie den Vertrag nicht vorschnell wegen der aktuellen Zinsentwicklung kündigen. Gerade ältere Verträge können attraktive Garantien oder steuerliche Vorteile bieten. Bei einer Kündigung kann außerdem der ausgezahlte Rückkaufswert deutlich unter den bisher eingezahlten Beiträgen liegen.
Ob sich eine Kündigung, Beitragsfreistellung oder Fortführung lohnt, hängt unter anderem von den garantierten Leistungen, dem Rückkaufswert, den Kosten und der verbleibenden Laufzeit ab. Lassen Sie sich deshalb vor einer Entscheidung individuell beraten.


